Bericht zum ersten Alleinflug

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Beitrag von Guido Giuntoli

Learning to Fly

There’s no sensation to compare with this

Suspended animation, a state of bliss

Can’t keep my mind from the circling skies

Tongue-tied and twisted, just an earthbound misfit

Pink Floyd

Wenn mir ein Zeitreisender vor zehn Jahren gesagt hätte, dass ich einmal ein Segelflugzeug ganz allein steuern würde, hätte ich ihm kein Wort geglaubt. Und wenn er noch hinzugefügt hätte, dass ich das ausgerechnet in Deutschland tun würde, hätte ich nur gelacht: „Qué estupidez!“ – was für ein Unsinn.

Doch genau das ist passiert.

Alles begann an einem Freitag vor etwa einem Jahr. Im Gespräch mit meinem Arbeitskollegen Christian erwähnte ich, dass ich gerne Paragliding ausprobieren würde. Seine Antwort kam sofort:
„Du wohnst doch in Klein Kreutz – du solltest segelfliegen!“

Noch am selben Tag fuhren wir nach der Arbeit gemeinsam zum Flugplatz und er stellte mich dort vor. Im Mai 2025 meldete ich mich offiziell an und begann meine Ausbildung.

Schnell wurde mir klar: Fliegen ist zeitintensiv – und nicht immer leicht mit dem Familienleben zu vereinbaren. Es gab Herausforderungen, Diskussionen und viele Momente, in denen ich abwägen musste. Doch die Faszination fürs Fliegen war stärker. Nach langen Tagen am Boden braucht man manchmal einfach ein bisschen Höhe, um den Kopf freizubekommen.

Dann kam der 18. April 2026.

Ich war um 9 Uhr zum Briefing am Flugplatz. Herbert, unser Ausbildungsleiter, fragte mich: „Bist du bereit?“
„Ja, natürlich“, antwortete ich – auch wenn meine Landungen zuvor noch nicht perfekt gewesen waren und ich Zeit gebraucht hatte, um mich wirklich bereit zu fühlen.

Martin hilft mir beim Start an der Winde.

Mein Fluglehrer Michael gab mir einen ungewöhnlichen Tipp:
„Such dir eine Leiter, steig auf etwa 1,5 Meter Höhe und schau fünf Minuten lang zum Horizont.“
Als ich zurückkam, sagte er: „Das ist deine Abfanghöhe (die Höhe über dem Boden, in der der Pilot den Sinkflug sanft abfängt, um in eine kontrollierte und möglichst weiche Landung überzugehen).

Ich flog noch eine Platzrunde mit Michael und eine weitere mit Martin. Und dann kam der große Moment:

Die Maschine und ich.
Ohne Motor.
Ganz allein.
900 Meter entfernt von der 300-PS-Winde.

Keine Korrekturen mehr. Keine Hilfe vom Fluglehrer. Nur das, was ich in über 100 Flügen gelernt hatte

Ich startete und landete dreimal. Es waren noch andere Flugzeuge in der Luft und ich freute mich riesig, als ich sogar etwas Thermik fand. Schließlich funkte mich der Flugleiter Max an und bat mich zur Landung zurück – ich musste die schöne Thermik wieder verlassen.

Auch wenn die Flüge kurz waren, war ich überwältigt. Zufrieden. Glücklich.

Diesen Tag werde ich nie vergessen.

Micha und ich nach der dritten Landung.