Fliegen in Australien

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Ich hatte mir in diesem Jahr vorgenommen, wieder mal einen längeren Urlaub im Winterhalbjahr zu machen, um dem Berliner Grau zu entfliehen. Ich hatte mich für Australien entschieden, um die Gelegenheit beim Schopf zu packen, endlich mal Freunde zu besuchen, die in Melbourne leben. Neben Roadtrips durch wunderschöne Natur und Kennenlernen der Australischen Lebensart, hatte ich auch die Möglichkeit, ein Wochenende auf dem Flugplatz in Benella (Gliding Club of Victoria) zu verbringen. Ein Freund meiner Freunde (Matt) hat mich mitgenommen, eine Unterkunft in den Gästezimmern des Fliegerclubs und ein Doppelsitzer eines Vereinskameraden reserviert.
Nach einer späten Anreise am Freitag Abend ging es am Samstag Morgen eher gemächlich los. Nach einem Wetterbriefing eines erfahrenen britischen Segelfliegers um 9 Uhr wurden eher gemütlich die Flugzeuge aus dem Hangar geschoben. Flugschüler waren noch keine zu sehen. Das liegt wohl hauptsächlich daran, dass diese dort für die Schulung nicht unerheblich viel Geld bezahlen. Viel Andrang war aber an diesem Tag eh nicht, da nur Blauthermik (Thermik ohne Wolkenentwicklung) vorhergesagt war. Deshalb konnte mir Matt auch schon um die Mittagszeit in einem älteren Duo Discuss die Umgebung von oben zeigen. Die Thermik war sehr stark, so stark, dass mir wegen der Turbulenzen schlecht wurde und wir nach ca. einer Stunde wieder umkehren mussten. Wo es vorher 8kt (ca. 4m/s) hoch ging, ging es auf dem Rückweg 5 m/s runter, über viele Kilometer. Das war meine erste Tuchfühlung mit den australischen “Thermals”. Abends hat ein Vereinsmitglied auf seiner Ranch (mit eigener Landebahn) nicht weit vom Flugplatz Geburtstag gefeiert. Die Gäste waren hauptsächlich Flieger und haben mich sehr herzlich aufgenommen. Für Sonntag war die Wettervorhersage viel besser. Am Morgen wurde ich vom Donner der durchziehenden Kaltfront geweckt und als ich zum Frühstück ging, strahlte mich ein wunderbarer Rückseiten-Himmel an. Die vielen kleinen Cumuli, die am Morgen noch sehr tief über dem Flugplatz hingen, sind im Laufe des Tages gestiegen und wir haben uns wieder nach dem Mittag in den Duo gesetzt, den wir am Morgen voll Wasser getankt hatten. Matt hatte uns eine Aufgabe von 300 km geplant die Richtung Westen gegen de Wind zeigte. Es ging gut los. Der erste Bart brachte 4 m/s integriert und so ging es weiter, bis zu unserem Wendepunkt, danach flaute die Thermik ein wenig ab und wir waren gefährlich tief (700m über Grund, was für australische Verhältnisse sehr tief ist, da man den Anschluss an den oberen Bereich der Atmosphäre oft schlecht erreicht). Aber wir haben es dann doch geschafft und sind mit 25km/h Rückenwind wieder zurück nach Benella geflogen. Knappe 340km standen am Ende des Tages in meinem OLC FLugbuch, meine längste Strecke bisher. Glücklich und zufrieden haben wir dann erst spät Abends die Rückfahrt nach Melbourne angetreten.
Das war ein fantastische Wochenende! Vielen Dank an Matt und dem Gliding Club of Victoria!

Hannes Diedrich

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