Wellen-Ausflug zum Harz am 7.12.2017 

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Von Herbert Horbrügger

Die Wetterentwicklung für eine Wellenlage zeichnete sich schon ca. 4 Tage vorher ab und der Trend blieb weitgehend konstant.

Also habe ich mal meine Fühler ausgestreckt, erkundet ob wir in Aschersleben starten könnten und wer mitkommt. Am Mi, dem Tag vorher, hat sich dann der Plan vervollständigt: Rainer Gutenmorgen aus Aschersleben schleppt, organisiert eine Boden-Mannschaft u. noch einen Schleppmose, nur für das tatsächliche Wellenwetter sollten wir selber sorgen.

Alle dem Wellenfliegen nicht zuträglichen Aktivitäten und Termine wurden umorganisiert und 4 Flugzeuge mit 5 Piloten waren expeditionswillig: Micha (Scholz) u. Gerd auf der DG1000, Max (Michaelis) mit der DG300, Martin mit der ASW20 und ich mit der ASG.

Max u. ich haben uns am Vorabend am Flugplatz getroffen, alle Hänger herausgestellt, Akkus, Schirme u. etc. gecheckt, den Wecker gestellt u. dort übernachtet. Am Do um 7:00 war Abfahrt, mit 4 Flugzeugen auf nach Aschersleben, ca. 150 km, um 8:50 waren wir da und die Hänger wurden geöffnet. Pünktlich zum Aufrüsten kam auch auf einem Motorrad direkt aus Leipzig dazu.

Auch aus Gifhorn waren 4 Segelflieger angereist und Carsten Lindemann, unser Wellenmeteorologe aus Lüsse, war auch schon da. Die Sonne schien, fast keine Wolken am Himmel u. wir alle guter Hoffnung. Das vorhergesagte Windprofil u. die kräftige Inversion haben uns optimistisch gestimmt.
Rainer Gutenmorgen hatte schon in Bremen angefragt u. das Wellenfenster wurde uns bis FL230 freigegeben. Die Flugsicherung ist den Wellenfliegern wirklich gut gesinnt.
Es war aber schon klar, dass durch den mit der Höhe nachlassenden Wind die Wellen nicht so hoch reichen würden.

Es geht los: unproblematischer Start in Richtung NW, schon kurz hinter Aschersleben stand die erste Welle. Ich habe in ca 600m ausgeklinkt u. konnte mit ca.1 m/s auf ca 1500m steigen. Martin wurde mit der Wilga höher geschleppt und hatte voraus kurz vor Ballenstedt die nächste Welle gefunden.
Durch präzise Ansage sind wir dann alle dort hingeflogen u. konnten auf ca 2100 m steigen. Der Vorflug zum Brocken verlief dann über die Wellen bei Gernrode u. Thale welche uns auf ca 2700m brachten. Ich bin eher vorsichtig geflogen, habe max. Höhe getankt vor dem Abflug durch das Brockenlee. Dieses Mal war es aber recht unproblematisch in die Brockenwelle einzusteigen.
Das kann aber auch ganz anders laufen und dann ist man bei 70km/h Wind u. Gleitzahl 1:10 beim Durchqueren eines Fallgebiets schnell unten.

Die eigentliche Brockenwelle mit Steigwerten von ca 1,5-2m/s lag sehr nahe im Lee vom Brocken u. damit außerhalb des Wellenfensters. Also konnte man entweder luvseitig vor dem Wellenfester unter 3000m MSL die tragenden Wellenlinien nutzen oder ins Fenster einfliegen und mit schwachem Steigen bis auf ca 3500m steigen. Die nachfolgende Auswertung der erflogenen Wellen mit Ort, Steigen und den max Höhen gibt da weitere genauere Informationen. Die Lage und Ausrichtung der Wellen gibt einen Eindruck vom Wellengebiet und der Flugwegen von Aschersleben aus zum Brocken.

 

Erflogene Wellengebiete am 7.12.2017


 

Der Wind in ca 2500-3000m hatte eine starke Westkomponente mit 260° u. 70km/h. Westlich der Brocken Harzkante waren der Harz und das Vorland mit 8/8 bedeckt. Man konnte durch diese Wolkendecke schön die Wellenbewegungen, Rotoren und kurzwellige Kelvin Helmholtz Strukturen erkennen. Der Vorflug über Goslar Richtung Westen hinaus war auf tragenden Linien auch möglich. Nur das Risiko in den fallenden Teil einer Welle zu geraten und dann durch die geschlossene Wolkendecke zu sinken war schlecht kalkulierbar. Bei weniger Feuchte hätte man bestimmt den Anschluss an das Ith- Wiengebirge- Hanggebiet geschafft.

Also haben wir uns auf die sichere Seite geschlagen und das schöne Naturschauspiel der Wellenwolken und Rotoren in aller Ruhe beim Flug in den sicheren Steiggebieten genossen.
So ca 30min vor Sunset ist die Brockenwelle bei Ilsenburg dann nochmal richtig in Fahrt gekommen und die Gifhorner Fliegerfreunde sind mit 2-3m/s noch kurz bis auf 4500m gestiegen.

Da waren wir schon auf dem Rückweg um noch mit Reserve im Hellen in Ruhe abrüsten zu können.

Die 3-4,5 Std in der Luft bei Temperaturen zwischen ca +5°-5° konnte man gut mit Skiwäsche aushalten. Typisch für diesen Wellentag war die ausgeprägte Temperaturzunahme mit der Höhe in der Inversionsschicht, siehe TEMP Meiningen.


TEMP Meiningen, 7.12.17, 12 UTC


Bodenwind Messwerte 9:30 Uhr


DWD Bodenanalyse 7.12.17

 

Der Tag klang dann aus in einer Ascherslebener Mini Pizzaria. Dann ging‘s mit Rückenwind zurück nach Brandenburg. Die tagsüber von Westen herannahende Kaltfront hat uns schließlich mit einsetzenden Regen überholt. Das hat keinen gestört, in unseren Gedanken spiegelte sich das Erlebte wieder mit dem gleißendem Sonnenschein über den Wolken.

Was für ein beeindruckender Tag, mit superschönen Flugerlebnissen und Bildern die uns auch noch Tage später in unseren Gedanken begleiten. Eine Wiederholung kann ich nur empfehlen.

Herzlichen Dank an das Ascherslebener Team mit Rainer Gutenmorgen, der für diesen Tag die Organisation leitete.


Flugbilder vom 7.12.2017

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