Rekordwetter für die Brandenburger Segelflieger – Matthias Kaese und Sarah Drefenstedt fliegen 1000km

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Seit Tagen ermöglichte es die aus dem Norden zugeführte Kaltluft, den norddeutschen Segelfliegern große Strecken zu erfliegen. Bereits am vergangenen Wochenende wurden daher Strecken von bis zu 900km von Brandenburg/Havel aus zurückgelegt. Am Montag sollten sich thermisch nutzbare Aufwinde von 10 bis 20 Uhr entwickeln. Das entspricht der notwendigen Tageslänge, um rekordverdächtige Strecken planen zu können. Matthias Kaese (DG800 15m) und Sarah Drefenstedt (Ventus bt 16,6m) schrieben eine 1000km-Strecke aus. Die erhoffte Wetterentwicklung traf trotz des frühen Starts nicht ein und das Team benötigte fast eine Stunde, um sich sicher vom Platz entfernen zu können. Bei anfangs nur mäßiger und durch den Wind zerrissener Thermik ergibt sich zunächst nicht die erforderliche Schnittgeschwindigkeit, um an der angemeldeten Strecke festhalten zu können. So entschied sich das Team an der ersten Wende südöstlich von Görlitz für Plan B – 1000km freie Strecke. Aber selbst dieses Ziel war unter diesen Umständen noch äußerst ambitioniert. Jetzt hieß es Nerven bewahren. Der Wettlauf gegen die Zeit führte im weiteren Verlauf entlang ausgeprägter Wolkenreihungen zuerst Richtung Cottbus und von dort weiter bis kurz vor Hamburg. Jetzt zeigte sich das Wetter wie vorhergesagt ausgezeichnet und damit rückte das vierstellige Ziel wieder in greifbarere Nähe. Was sich jedoch nicht so recht einstellen wollte ist der Surfmodus unter den Wolkenstraßen – reines Gleiten ohne zu kreisen. Die Thermik ist zu punktuell, die Steigwerte selbst aber sind phänomenal. Bis über 4m/s werden erreicht! Das sind Werte, die eher an Namibia oder Australien erinnern.
Doch auch ein langer Tag neigte sich dem Ende. Das Team erreicht Höhe Lutherstadt Wittenberg zum zweiten Mal die Elbe. Jetzt „nur noch“ zurück nach Brandenburg/Havel! Jetzt aber 20km/h Gegenwind und die Thermik wird schwächer – wieder liegen die Nerven blank, alle Konzentration ist gefordert. Mit dem allerletzten Aufwind – es ist mittlerweile 20:15 Uhr – erkämpft sich das Team die erforderliche Endanflughöhe und erreicht um 20:45 Uhr, mit allerletzter Reserve, den Flugplatz Brandenburg Mühlenfeld.
1000km-Segelflug durch ein kurzes Anschleppen per Seilwinde und 11-stündige Nutzung der Kraft der Sonne, das ist nur bei Ausnahmewetterlagen zu den längsten Tagen des Jahres möglich. Sarah und Matthias haben sie genutzt. Beide freuen sich besonders über das vierstellige Ergebnis, schreibt man diese Art von Leistungen eher den Superorchideen der offenen Klasse zu. Die 1000km Distanz mit einem Windenstart zu beginnen und die Flugzeuge daher mit einer verhältnismäßig geringen Flächenbelastung (weniger Wasserballast) zu fliegen, zeichnet diese Teamleistung der beiden besonders aus.

Es sind die ersten 1000km-Strecken, die bis jetzt von Brandenburg-Mühlenfeld aus geflogen wurden – ein großartiges Airlebnis.

 

Sarah Drefenstedt, 4.7.2018

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