Reiten auf der Welle im Ostharz

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Dank der Information von Herbert (NH) vom 20.11.2017 zur Wellenwetterlage und der Organisation durch Sarah (LA) konnten vier unseres Vereins (Sarah, Julius, Björn und Martin) am Mittwoch Abend nach Aschersleben fahren, um am Donnerstag in die Höhe zu steigen.

Hier der Erfahrungsbericht von Martin:

Als wir mit den Anhängern in Aschersleben (EDCQ) eintrafen, empfing uns der Vorsitzende des LSV Ostharz e.V., Wolfgang Lieder, sehr freundlich und zeigte uns die Stellplätze und das Vereinsgebäude mit bereits mittels Öfen vorgeheizten Zimmern. Nachdem er uns den Ablauf für den nächsten Tag erklärt hatte, gab es noch einen Tip zum lecker Abendessen. Am Donnerstag, den 23. November 2017, wurde früh bereits vor 7 Uhr mit dem Aufrüsten begonnen. Es wehte schon ordentlicher Wind aus Südwest. Bei der Föhnwetterlage wurden LA, EX, B8 und BC mit entsprechenden Haltekräften zusammengesteckt. Von der vereinseigenen Wilga D-EWHC wurden wir nacheinander, vor den reichlich angereisten Interessenten, hochgeschleppt. Der Schlepper zog uns in die Steiggebiete. Diese verlagerten sich etwas, sodass unterschiedlich lange Schlepps entstanden. Im Nachgang sah es fast so aus, als wenn bereits über dem Windpark südwestlich von Aschersleben ein guter Einstieg in ca. 1.200 m möglich gewesen wäre. Aber Vorsicht ist ja die Mutter der Weisheit. Deshalb wurde z.T. auch höher geschleppt, denn der Wind wehte dort bereits mit über 60 km/h. Nach dem Auskuppeln ging es langsam mit 0,2 bis höchstens 0,5 m/s Steigen bei dem straffen Wind in Richtung FP Ballenstedt. Das Steigen nahm in dem Bereich zu, sodass ein weiterer sanfter Aufstieg möglich war.  Wolfgang Lieder hatte bei Bremen-Info eine Freigabe für das Wellenfluggebiet Ostharz beantragt und erhalten. Somit konnten einige Segelflieger, die mit Sauerstoff ausgerüstet waren, im Laufe des Tages bis Flugfläche 230 (ca. 7.000m) steigen. Einige von ihnen kamen mit Motorkraft bis zum Harz geflogen, um das Wellenfenster im Segelflug zu nutzen. Nach einigen Stunden Flugzeit, bei dem die Kälte langsam in die Glieder/Füße kroch, hatten wir LA, EX, B8 und BC mehrere Kilometer auf der Ostseite des Harzes erflogen. Nacheinander landeten wir wieder am Platz, wobei Wolfgang Lieder alle anfliegenden Piloten umsichtig und sehr informativ per Funk begleitete. Glücklich und z.T. etwas erschöpft waren wir wieder am Boden. Zum Putzen und Abrüsten hatte der Wind seine Tätigkeit freundlicherweise reduziert.

Ein schöner Tag ging zu Ende. Einige Fotos belegen diesen einmaligen Flug aus der Sicht von BC. Abschließend tauschten die Teilnehmer mit den Fliegern vom LSV Ostharz das Erlebte bei diesem Bilderbuch-Wellenwetter aus.
Wir bedankten uns herzlich für die freundliche Aufnahme und den super Service durch den Verein. Für den Folgetag war die Prognose für eine gute Wellenlage nicht mehr so, wie noch zwei Tage zuvor. So beschlossen wir die Heimkehr anzutreten und fuhren um 18 Uhr wieder nach Brandenburg zurück.


Sarah hat auch tolle Erfahrungen gesammelt:

Ich wurde als Erste geschleppt und stolperte auch gleich in ein Steiggebiet von 0,5 m/s beim FP Ballenstedt. Frohen Mutes hörte ich, wie bereits ein anderer Eigenstarter, der zuvor in Aschersleben gestartet war, bereits in Goslar in der Welle stieg. Schnell hinterher! Ich flog vor und hatte dabei nur leichtes Sinken zu verzeichnen. Ich testete verschiedene Linien aus, jedoch wollte es nicht steigen. Bei etwa 800m kam ich in die turbulente Rotorzone im Lee vom Brocken. Gut, dass ich nicht viel gefrühstückt hatte, denn hier war es mehr als nur ein bisschen turbulent mit Fahrtschwankungen von 40 km/h und -4 bis +4 m/s Steigen innerhalb eines Wimpernschlages. Ich kämpfte und versuchte in den Rotoren nach oben zu kommen. Auch gut, dass ich vorher meinen Raumanzug angezogen hatte, der mich vor Temperaturen im Gefrierbereich bewahren sollte. So stark habe ich schon lange nicht mehr geschwitzt in 400m über Grund im Rotor. Interessant ist, dass mein Motor im Rücken mich bei diesen Bedingungen auch nicht nach oben brachte, es war einfach zu turbulent und ich konnte dadurch keine gute Steiggeschwindigkeit einnehmen. Ich flog mit dem starken Rückenwind von 70km/h schnell aus der turbulenten Zone raus. Hier könnte ich dann wieder Höhe mit Motor machen, zurück nach Ballenstedt gleiten und in 800m in die Welle einsteigen. Schließlich fand auch ich den Weg in das Lenticularis-Traumland und hoffte auf zeitnah einsetzende fröstliche Temperaturen.

Was war das für ein faszinierender Tag, bei dem wir mit unseren kleinen Segelflugzeugen die erstaunliche Kraft und Schönheit der Natur bewundern konnten.

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