17. Runde Bundesliga 2017

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Endlich. Endlich mal wieder Wetter. Die unvorteilhaften Kapriolen der letzten Wochen im Rücken, gilt es jetzt. Der Klassenerhalt soll, muss, gesichert werden.

Westwind, mindestens 20 km/h. Die Taktik ist klar. Wer heute schnell sein will wird 2,5h mit dem Wind im Rücken fliegen, Schnitte über 100 km/h sind Pflicht. Die Konkurrenz ist ebenfalls hoch motiviert. Direkt mit dem Wind nach Osten abfliegen geht von Brandenburg aus nicht, Berlin liegt im Weg. Also zunächst mal vor, gegen den Wind, nach Westen Richtung Wolfsburg.

Ich bin spät, kaum praktische Erfahrung mit dem „Speedfliegen“ der Bundesliga, benötige eine gefühlte Unendlichkeit für das Betanken des Flugzeuges mit dem notwendigen Wasserballast. Ist die Maschine schwerer gleitet sie schneller, wichtig für hohe Schnittgeschwindigkeiten. Bei der erwartet guten Thermik nimmt man ein leicht schlechteres Steigen allemal in Kauf.

Endlich. Endlich komme ich am Start an. Viel zu spät, denke ich mir, die Thermik ist schon mindestens seit einer Stunde voll entwickelt. Alles was Flügel hat steht heute am Start. Nur ein Seil, die Winde meldet Probleme. Also doch keine Zeit für das Tanken verschwendet. Bleibt noch ein wenig Zeit für Absprachen, wer mit wem? Teamflug verspricht wertvolle Vorteile. Neben mir steht die LS8 von Waldemar Labusga. Ein erfahrener Bundesliga Pilot. Ich sitze heute auch in einer LS8. Ob er mich mit nimmt?

Na klar! Und das zweite Seil läuft auch wieder, die Bodencrew wirbelt, zwischendurch mit 2 Seilfahrzeugen, während das andere Seil repariert wurde.

Und Abflug. Mittlerweile ist die Wolkenbasis höher, das macht es etwas leichter gegen den starken Wind voranzukommen, aber jeder Kreis wirft einen gnadenlos zurück. Also so wenig wie möglich „kurbeln“, vorsichtig nach vorne, möglichst wenig wertvolle Höhe verlieren. Aber wie? Ich will doch dran bleiben, den Teampartner nicht verlieren! Schneller fliegen. Aber das kostet mehr Höhe! Ok, genau hinsehen, wo er steigt, da fliege ich auch hin, habe ich den Eindruck, bei mir geht es besser bleibe ich auf meiner Linie, so schaffe ich es „dran zu bleiben“. Lohnen sich Kreise, sprechen wir uns über Funk ab. Mal findet der eine einen wirklich guten Aufwind, mal der andere. Zu zweit hat man den Vergleich und deckt mehr „Suchgebiet ab“, so kommen wir gut vorwärts. Bis Wolfsburg. 120km westlich von Brandenburg, genug Platz um nach dem Umdrehen nun mit dem Wind im Rücken Vollgas zu geben. Richtung Görlitz an der polnischen Grenze, das ist die Richtung die uns der Wind vorgibt. 2,5h, Waldemars Uhr läuft, an sowas habe ich als Neuling gar nicht gedacht, für mich heißt es vor allem – dran bleiben, das Teamflugzeug nicht aus den Augen verlieren. Gelingt leider nicht immer. Immer wieder ist er ein, zweihundert Meter oder sogar mehr weiter oben. Dort unter den Wolken kann er noch schneller fliegen, weil Ihn die Wolkenthermik auch im Geradeausflug trägt. Ich muss besseres Steigen finden und schneller Höhe gut machen. Was hatte Sarah gesagt? Auch mal enger kurbeln, schneller wenn es sein muss, damit ich im Besten steigen bleibe. Also go! Die Thermik ballert. Vollausschläge am Vario. Es gelingt. 3 m/s. Obwohl die LS8 voll Wasserballast ist. Ich komme wieder heran. Ich hab mir gemerkt, wo ich wiederholt das beste Steigen unter der Wolke gefunden habe. Es läuft. Ich kann die Wolken so anfliegen, das ich nicht mehr viel Zeit beim Suchen verliere. „Waldemar, komm rüber, hier stehen wieder 3m!“ Ein- bis zweimal gelingt mir das.

Wir kommen vorwärts. Aber was ist das? Hohe Wolken schieben sich von Süden her wie ein Vorhang über den ansonsten knall blauen Himmel! Wo kommt das her? Hab ich in der Wetterprognose etwas verpasst? Noch läuft die Uhr, wir müssen weiter, weiter mit dem Rückenwind. Die Wolken tragen, aber die Abschirmung wird auch dichter. Noch 15 Minuten. Der Rückweg. Weiter im Norden sieht es noch ein bisschen besser aus, aber jetzt schon abdrehen? Es trägt doch noch. Ok, weiter. Noch 5min. Was jetzt? Vollgas.

Heimweg. 17 h, 180 km, 20 km/h Gegenwind, die Abschirmung wird immer dichter. Verflucht. Ich schaffe es noch bis Bronkow, viel zu spät lasse ich das Wasser ab, Waldemar ist 1000 m über mir, könnte es wenigstens bis Reinsdorf schaffen, für die Rückholer eine nicht ganz so derbe Tour. Bis Bronkow sind es 170 km – au weia!

Hilft alles nichts – ich bin schon in Bronkow gelandet. Und Waldemar kommt auch. Die nächsten Wolken, die er anflog trugen nicht mehr. Ich denke er will mich nicht alleine lassen. Das ist mal ein Teampartner! Dabei bin ich gar nicht allein. Die Bronkower umsorgen mich längst! Mit kühlem Getränk, sogar Abendbrot gibt es!

Aber erst einmal die Rückholtouren organisieren. Wer holt mich ab? 340 km am Sonntagabend. Alle die in Frage kommen müssen am Montag früh raus. Und sind selber weit geflogen und dementsprechend kaputt. Aber lange fragen muss ich nicht, Ronny ist mit Waldemars Hänger schon auf dem Weg, mich kommen Johannes und Rolf abholen. Teampartner!

Mittlerweile landen weitere Flugzeuge. Ein Bundesliga Team aus Pirna ist morgens extra nach Bronkow gefahren um von hier aus anzugreifen. Zwei Libellen und ein Ventus. „Wie schnell wart Ihr denn?“ „Ja 120  km/h werden es schon gewesen sein.“ 120?? Mit Libellen? Oh Gott! Ein einziges mal hatte ich 100km/h erreicht.

Waldemar ist guter Laune. Langsam waren wir offenbar auch nicht. „Lass uns mal die Flüge auslesen.“ Die Bronkower haben nicht nur leckeres Essen und kühles Bier, PC und Internet sind vorhanden, die Flüge können ausgelesen werden. Aber es dauert. „Wie schnell waren wir denn jetzt?“ Es gibt Internet, besonders schnell ist es nicht. Endlich, Waldemars Wertung: 121,81 km/h, indexbereiningt 114,91 Punkte! Wow! „Ja und Du?“ Wir sind ja zusammen die gleiche Strecke geflogen, also so viel langsamer kann ich auch nicht gewesen sein… Nur den Flug laden will die Technik nicht. Das File ist angeblich nicht valide. Alles umsonst? Man kann doch noch das Flarm direkt auslesen. Zum fünften mal mit der Winzigen Speicherkarte vom Rechner zum Flugzeug. Da, endlich, das richtige File, der Flug ist angenommen, die Auswertung läuft. „Waldemar, komm mal her!“ Ronny ist mittlerweile eingetroffen, Sie haben schon mit dem Abrüsten begonnen. Ich kann mir ein gewisses Grinsen nicht verkneifen. Am Ende sind es für mich 123,12 km/h, 116,15 Punkte. So schnell war ich noch nie! Und die anderen? Fliegen weit, außer Waldemar und mir fliegen noch vier Piloten über 500 km weit, Sarah gar über 700 km und 108 km/h! Dabei können Sie den Rückenwind aber nicht so optimal ausnützen. Am Ende heißt es – Max, Du schreibst dann diesen Bericht hier.

Gerne. Es hat so viel Spaß gemacht.

Max Michaelis

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